Sag bloß…

Heute hat mich ein entfernter Bekannter angeschrieben, dass es eine lustige Wikipedia Diskussion über mich gäbe. Zwecks der Relevanz. Sag ich: „Ok. Erzähl mir mehr!“ Und er berichtet mir, dass wohl seit meinem Auftritt bei Hannes Ringlstetter in „Der Sendung“ das Bemühen einiger Wikipedia-Autoren gibt, mir einen kleinen Eintrag zu machen.

Das finde ich sehr lieb, immerhin hat inzwischen fast jede Blattlaus einen eigenen Wikipediaeintrag. Ich habe mich gefreut. Aber nur kurz, weil gleich darauf erklärte mir der Freund, dass ich irrelevant sei und zur Löschung vorgeschlagen, weil ich eben nur in Bayern und überhaupt nur wenig bekannt sei. Und wenn dann ja „nur“ über den BR. Der Freund zitierte mir dabei am Telefon entsprechende Löschvorschläge und mir wurde flau. Imke und Dörte aus dem Norden von Deutschland wollten mich also löschen. Mitten im Lockdown light. Das war hart. „I, irrelevant. Sag bloß…!“

Ich meine – gut – man ist als Kulturtreibende sicher nicht immer gleich total systemrelevant. Das wissen wir ja jetzt. Danke, 2020. Aber dass man gleich so gelöscht wird. Hart.

Ich habe mir dann gedacht, dass es mir eigentlich egal ist, weil ich – vor dem Anruf des Freundes – ja gar nix von dem Eintrag wusste und ein happy Life gelebt habe. Weil ich – Deppin wie ich bin – einfach gedacht habe, ich wäre relevant. Ich dachte, dass meine Kolumnen, zu denen mir jedes Mal Dutzende Frauen schreiben, wie gut sie ihnen gefallen hätten, wirklich wichtig seien. Also eben für die Frauen. Und ich dachte, dass mein Programm gut ankäme, meine Kinder satt wären und mein Haus aufgeräumt – ok, das war gelogen. Mein Haus schaut aus wie eine veritable Sau, weil ich nämlich gerade begonnen habe für die Stadt Regensburg die gesamte Kulturszene im Projekt „Kulturinventur“ abzubilden. Dabei sind auch noch Florian Hammerich und Florian Topernpong. Keine Ahnung, ob die beiden einen Wikipedia-Eintrag haben, aber für mich sind sie relevant, weil sie einfach die besten Kumpanen bei solchen Projekten sind.  (Als hätten wir so etwas Irres schon einmal gemacht..)

Und ich weiß, dass meine Auftrittsanfragen nur so reindrängen, die Terminplaner voll sind, ich Buchanfragen habe und 400 Stunden am Tag arbeiten könnte. (Mache ich aber nicht. Arbeite nur 20 Stunden) Im Januar darf ich zur ARD und den Hessischen Kabarettförderpreis habe ich auch gewonnen. Ach ja – und den Kulturförderpreis der Stadt Regensburg. Und vermutlich gibt es nirgends Links und Webseiten werden nicht aktualisiert, weil die Kultur gerade absäuft, aber das ist Dörte von Wikipedia sicher egal.

Dem Freund habe ich gedankt für seinen Infoanruf. Er kann ja auch nichts dafür. Er war ja nur der Merkur. Da ich mich nie selbst google, ist es für mich auch gar nicht wichtig, ob es den Eintrag gibt. Und alle anderen, die etwas von mir wollen sollen meiner Agentur schreiben oder auf Instagram einen Gruß hinterlassen. Aber nur nette Sachen.

So. Und so ist das mit der eigenen Irrelevanz. Sie tut erst weh, wenn man sie selbst bemerkt. Aber wenn man selbst ganz zufrieden ist, dann wird auch sie: Irrelevant.

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