Ja, ja – ich weiß. Das Shirt ist umstritten – und es gab schon wichtige Hamburger Schriftgelehrte, die irgendwas über genau dieses Shirt geschrieben haben. Ich habe es aus zweiter Hand – und ich nahm es damals an, wie jedes Johnny Cash Shirt: Dankbar. Denn Cash-Shirts sind erstmal selten. Ich mache mir keine Gedanken über Ausverkauf und was weiß ich. Nicht in diesem Fall – sonst dürfte ja niemand St. Pauli oder Ramones Shirts tragen.

Was mich aber dennoch stört ist, dass das Shirt für mich inzwischen an eine alte – ein paarmal wiederkehrende Liebe gekoppelt ist – und, dass der Mittelfinger zensiert ist. Das ist traurig. Beides.

Ich bin mir wirklich unschlüssig, ob ich es tragen will und immer an vergangene Irrungen und Wirrungen zu denken, denen ich doch gerne den Finger zeigen würde, der zensiert ist.

Als ich heute über dieses Shirt nachgedacht habe, habe ich überhaupt null passenderweise „Haftbefehl“ gehört und Agressionen gleichermaßen abgebaut wie aufgebaut. Die Vergangenheit und alles, was passiert ist und immer wieder kommt, das nimmt Einen doch in genau dieses Gefängnis, in dem Cash damals sang.

Nein, nicht Folsom per se – aber eben eine innere Eingeschlossenheit. Hinter Mauern, wie der zensierte Mittelfinger. Ich verbinde mit dem Shirt so viele Momente des totalen Glücks, wie auch wirklich tragische Erlebnisse und ich glaube, dass ich es nicht weiter behalten kann. Ich glaube einfach an Emotionen ohne Mauern. Ohne Taktieren, Angst und oberflächliche Haltung.

Selten fiel mir eine Shirt-Entscheidung für diesen Blog schwerer. Aber ich werde es wohl weggeben. Ich will es zusammen mit einer Kassette die ich zu dem Thema aufgenommen habe weiterreichen.

Ich bin nur noch am Überlegen an wen.

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