Bayern 2 Kolumne, Premiere und der Dialekt

Als ich in der Kollegstufe war, da hat sich eine Mitschülerin regelmäßig über meinen Dialekt aufgeregt. „Das würkt ümma so leicht dumm, wenn Jemand Bairüsch sprücht!“

Als ich bei FM4 unter den letzten Drei für einen Moderationsjob war, hat man mir mit knappen Sätzen mitgeteilt, dass mein bairischer Einschlag zu krass wäre.

Weil mein Bairisch auch im Germanistikstudium nicht todzukriegen war, habe ich im Hauptstudium dann eben gleich Dialekt studiert. Wie man halt aus der Not eine Tugend macht.

Meine Bachelorarbeit habe ich über Bairisch im Kontext einer bilingualen Erziehung geschrieben und meine Facharbeit über Gunst- und Ungunstgebiete anhand von bairischen Kochrezepten des 19. Jahrhunderts.

Als ich in Franken gearbeitet habe, dachten alle ich wäre Österreicher und als ich gesagt habe, dass ich aus der Oberpfalz bin, war ich ein Moosbüffel.

In der Heimat meines Vaters habe ich nichts verstanden. Obwohl sie nach der Gebietsreform in Niederbayern lag – aber der Ort war eine oberpfälzer Sprachinsel – das habe ich im Studium dann bewiesen mit einer Feldforschung zu „obe, affe, hinte und fire“.

Diese Woche ist meine zweite Rutsche „Der Emanzipatorische Grant“ auf Bayern 2 durch – und es geht um hinterfragten Kinderwunsch, rosa Matschhosen und Erziehungstipps. Und auf Facebook gab es plötzlich Kommentare zu meinem Bairisch.

Ja, wer mich kennt.. Also, ich fand es sehr lustig. Ich konnte mich königlich amüsieren und habe zu den Kommentatoren gleich Kontakt gesucht. Es kommentiert sich ja so einfach – man weiß nichts, keinen Hintergrund, man hört sich nichts an, man urteilt nur. Und da ist der sprichwörtliche „Isarpreiß“ sehr schnell identifiziert. WasauchimmerWerauchimmer das ist. Ein Bayer der sich schämt und Preuße sein will? Ein Preuße, der sich schämt und Bayer sein willl? Oder einfach nur ein Klischee auf das alle sich gerne einhauen trauen, weil man sich selbst so einfach erhebt.

Egal, viel zu kompliziert. Fest steht: Es gibt keine immer richtige Verschriftlichung des Bairischen. Und das finde ich auch sehr gut so. Freilich, ich könnte jetzt phonetisch was aufschreiben, aber das will halt niemand lesen. Und das kann auch niemand lesen. Außer alle Studenten der Dialektologie der Uni Regensburg.

Und natürlich gibt es kein statisches Niederbairisch. Kein alleingültiges Oberpfälzisch. Weil Jeder inzwischen reist, woanders wohnt, über die Grenzen schmust. Und das ist auch normal und gut. Und weil „Jeder Misthaufen einen anderen Dialekt hat.“ Ein Dialektsprecher aus Tirschenreuth findet vielleicht, dass ich eher Niederbairisch spreche. Ein Straubinger versteht einige meiner Wörter nicht und lacht drüber, dass ich „Bou, Bua und Sohn“ synonym benutze.

Irgendwann gab es doch diese „Liberalitas Bavariae“ – die wurde vielleicht hinter einem allanklagenden Social-Media-Grant vergessen.

Ist es nicht schön, wenn Dialekt gesprochen wird und nicht tot ist – und nur noch aus Regeln besteht?

Dialektforschung war für mich immer spannend – aber eben nur, weil sich so viel tut. Sonst wäre wir da ja quasi vor 20 Jahren fertig gewesen. Und dann? In Blei gießen?

Ich war heute sehr erstaunt, wie schnell man „a Breiss“ ist. Plötzlich. Aus dem Nichts nach 36 Jahren.

Da sitzt man mitten in der Oberpfalz. Mit Familie, einer Katze und drei Hühnern. Und dachte immer, man wäre Bayer. Aber nein. Es war eine Illusion. Plötzlich Breiss.

Ich finde es sehr inspirierend, dass ich jetzt Breiss bin. Nein, ich werde trotzdem kein Dirndl von HundM tragen, aber ich bin lieber Breiss, als mich einem starren, komplett ideologischen Bayernwahnsinn zu unterwerfen – und ich liebe Bayern.

Als bairischsprachiger Breiss bin ich natürlich an sich schon wieder benachteiligt, aber irgendwie fühle ich mich in der Rolle wohl. So recht überrascht hat es mich eh nicht. Es war für mich ja nur eine Frage der Zeit, bis mich jemand aus der nördlichen Oberpfalz als nicht oberpfälzisch genug entarnt. Das ist der Zeitgeist. Abgrenzung als Identität. Dabei liebe ich die Oberpfalz und bin auch hier geboren.

Aber mei, Straubing, Franken, der Vater ein eingemeindeter Niederbayer… es lasst ned aus. Und schon is man ein Breiss.

Ein kleiner Trost war für mich, dass es für die Premiere in der Walba schon eine Warteliste gibt. Und das viele – extrem lustige – Feedback zu meiner Instagramstory zu der ganzen bayuwarischen Sprachverwirrung hat mich auch sehr gefreut.

Und vielleicht fehlt das Bairische auch einfach. Vielleicht grenzen wir uns nur dann ab, wenn wir denken, dass wir uns verlieren. Vielleicht müssen wir es offensiver Dialekt reden – in Unis, in Schulen und sonstwo.

Und so schwierig kann es ja nicht sein – sogar  ich als Isarbreiß aus der Oberpfalz schaffe es, dass ich in München nicht verstanden werde.

Nix für unguad. (Sagt der eine Kommentator auf Facebook, als er gemerkt hat, dass er an Schmarrn geschrieben hat.)

Servus

 

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